1. Crowdfunding-Netzwerke

Claim: „The Social Way to Get Paid Online“

Flattr ist ein Crowdfunding-Netzwerk aus Schweden, gegründet 2010 von Pirate-Bay-Aktivisten um Peter Sunde. Flattr-Buttons lassen sich für beliebigen Content definieren, vom Blog-Artikel bis zu Audio- und Video-Downloads. Gezählt werden die Klicks, mit denen sich andere Flattr-Mitgliedern beim Autor bedanken. Der monatliche Mitgliedsbeitrag wird auf die angeklickten Buttons verteilt. Möglich sind zudem auch Direktspenden in beliebiger Höhe. Über die „Subscribe“-Funktion lässt sich ein Button auch für 3, 6 oder 12 Monate abonnieren. Dank Twitter-Integration geht das „Flattern“ mittlerweile sogar ganz ohne Button, alles was man braucht ist die Twitter-Adresse des Adressaten.

Monatlicher Mitgliedsbeitrag: mindestens 2 Euro, maximal 100 Euro

Zahl der Mitglieder: mehr als 100.000

Provision: 10 Prozent

Zahlungsweise: Paypal, Moneybookers



2. Crowdfunding-Plattformen (US/International)

Claim: „Where fans make it happen“

Artistshare war eine der ersten Crowdfunding-Plattformen in den USA (gegründet: 2000) und dreht sich auch heute noch heute ausschließlich um’s Musik-Business. Intermediäre Instanzen wie etwa Music-Labels oder Verleihfirmen werden dabei umgangen: „No record companies, no middlemen, no complicated deals for the artist, just a direct artist to fan connection.“ Grundlage ist das „Subskriptions“- bzw. Pre-Order-Modell. Vermarktet werden aber nicht einfach Produkte, sondern die aktive Teilnahme am Produktionsprozess. Unterstützer erwerben Anteilsscheine (Participant Offers), die je nach Preisklasse mit Incentives wie einer in limitierter Auflage produzierten CD, VIP-Zugang ins Studio oder Aufnahme in die CD-Credits vergolten werden. Das Business-Modell steht auf breiter Grundlage: Alleine 2010 wurden 6 bei Artistshare produzierte Aufnahmen mit dem Grammy nominiert.


Claim: „Community powered reporting“

Spot.us (gegründet 2008) ist eine Non-Profit-Organisation, die sich auf die crowdbasierte Finanzierung von journalistischer Recherche spezialisiert hat. Reportagen entstehen entweder aus einem „Pitch“ (also einer „Vorlage“) oder aus einem Tipp. Ein Pitch ist das Angebot eines Journalisten, für eine bestimmte Summe Geld über ein Thema zu schreiben. Ein Tipp ist der Artikelwunsch eines Lesers über ein Thema, der von einem Journalisten aufgegegriffen und ebenfalls bei Spot.us „gepitcht“ wird. Kleinere Reportagen gibt’s für einige hundert Dollar, die größten kosten einige tausend Dollar. Spot.us ist gemeinnützig, d.h. Spenden können von der Steuer abgesetzt werden. Wird das Spendenziel nicht erreicht, können sich die Journalisten entscheiden, eine Story trotzdem zu machen. Die fertigen Reportagen gehen in die Allmende über, sie sind Creative Commons-lizensiert und dürfen kostenlos abgedruckt werden. Medien können aber für eine begrenzte Zeit das Copyright für einen Artikel erhalten, wenn sie mehr als 50% der notwendigen Spendesumme übernehmen.


Claim: „The world’s funding platform. Go fund yourself.“

Die Gründung von Indiegogo wurde 2008 auf dem Sundance-Filmfestival bekanntgegeben – und tatsächlich richtete sich die Plattform ursprünglich an Filmemacher. Das hat sich jedoch längst geändert: neben kreativen Projekten aller Art vom Comic über Mode bis zum Theater werden auf Indiegogo auch Games, Gadgets und sonstige Gebrauchsgüter via Pre-Order vermarktet. Im Unterschied zu Kickstarter richtet sich Indiegogo an ein internationales Publikum, Kampagnen sind mittlerweile auch in der Währung Euro möglich. Eine weitere Besonderheit sind sogenannte „Flexible Funding“-Kampagnen: unabhängig vom Erreichen des eigentlichen Ziels fließen in diesem Fall alle Beträge an den Projektstarter.


Claim: „A new way to Fund & Follow Creativity“

Kickstarter (gegründet 2009) wird als ein „online threshold pledge system“ bezeichnet – auf deutsch übersetzt eine Art Spendenplattform mit definiertem Schwellenwert zur Finanzierung von kreativen Projekten aller Art. Zu den Nutzern gehören nicht nur Künstler, sondern auch viele Startup-Unternehmer. Je nach der Spendenhöhe werden bei Kickstart bestimmte „Goodies“ verteilt – von Postern, Aufklebern oder T-Shirts bis zu Sondereditionen der geplanten Produkte, VIP-Zugang zu Veranstaltungen oder Nennung in den Credentials. Über regelmäßige Updates informieren nach dem Ablauf der Spendenkampagne über den Fortschritt der Projektrealisierung. Kickstarter ist eine kommerzielle Website, die sich über Provisionen finanziert (5 Prozent für Kickstarter, 3-5 Prozent für den „Amazon Payment Service“). An den „kickgestarteten“ Projekten selbst erwirbt die Plattform aber kein Eigentum. Kickstarter ist die bekannteste Crowdfunding-Plattform in den USA mit einer großen Community. In vielen Fällen wird das Spendenziel deutlich übererfüllt. Rekordhalter sind die Macher von TikTok+LunaTik, einem Armband-Adapter für den iPod Nano. Sie sammelten 940.000 Dollar, mehr als 6000 Prozent über der benötigten Summe.


3. Crowdfunding-Plattformen in Deutschland

Claim: „Crowdfunding in Deutschland – Community-Finanzierung für Kreative“

Startnext.de (gegründet 2010) ist mittlerweile die größte Crowdfunding-Plattform in Deutschland. Knapp zwei Dutzend Projekte wurden bereits gefördert, die Fördersummen bewegten sich bisher zwischen einigen hundert bis einigen tausend Euro. Regelmäßige Projektupdates halten die Crowdfunder auch nach erfolgreichem Abschluss der Spendensammlung auf dem Laufenden. Eingezahlt wird via Online-Überweisung oder mit dem deutschen Micropayment-Service Fidor Pay, bei dem keine Gebühren anfallen. Auch Startnext.de selbst verzichtet mittlerweile auf eine Provision. Seit April 2011 gilt die Plattform offiziell als gemeinnützig, so dass die Crowdfunding-Beiträge von der Steuer absetzbar sind. Ein zunächst aus Provisionen, in Zukunft aus zusätzlichen Spenden gespeister „Crowdfonds“ vergibt eine Extra-Förderung für ausgewählte Projekte. Die Höchstdauer für Projekte beträgt 6 Monate, Startnext empfiehlt aber, eine Laufzeit bis zu drei Monaten zu wählen.


Claim: „Crowdfunding für kreative Projekte“

Ähnlich wie startnext arbeitet auch die Crowdfunding-Plattform Inkubato (gegründet 2010) mit einem „Prämiensystem“ – es gibt nach Spendenhöhe gestaffelte „Goodies“, vom handsignierten Exemplar des ersten Albums bis zum Privatkonzert in den eigenen vier Wänden des Unterstützers. Kommt das jeweilige Projekt zustande, fließen 7 Prozent der Spendensumme als Provision an inkubato.com, 2-3 Prozent an Paypal. Anderenfalls gehen die eingezahlten Beträge komplett zurück an die Spender. Bekannt wurde inkubato.com durch das Filmvorhaben „Bar 25“: In zwei Monaten wurden Anfang 2011 knapp 25.000 Euro gesammelt, um die ehemalige Szenelocation am Spreeufer auf Zelluloid zu vereweigen.


Claim: „Dein Netzwerk unterstützt Dich!“

Die „Bäckerei der Visionen“ wurde 2010 in Leipzig gegründet, und versammelt momentan auch hauptsächlich Projekte mit regionalem Schwerpunkt. Bisher gibt es bei der Visionbakery vier Bereiche: Journalismus, Soziale Projekte, Kunst sowie Veranstaltungen. Zu den bisher erfolgreich geförderten Projekten gehören so unterschiedliche Vorhaben wie die Produktion von Musik-LPs und CDs, Straßentheater-Festivals oder die Unterstützung beim Bau einer Notfall-Ambulanz in Guatemala. Die Provision beträgt 10 Prozent, zuzüglich 1,9 Prozent Paypalgebühren. Innerhalb von 55 Tage müssen die Crowdfunding-Projekte ihr Ziel erreichen, sonst geht das Geld zurück an die Unterstützer.


Claim: „Mach’s zum Buch“



Euryclia ermöglicht Autoren eine neue Form des Direkt-Publishings von Print-Büchern, in dem die Crowd bei der Finanzierung der Herstellungskosten einspringt. In der Verlagsbranche hat das Tradition: mit dem sogenannten Subskriptions-Modell haben bereits Klassiker wie Lessing oder Klopstock im 18. Jahrhundert den Druck ihrer Werke vorfinanziert. Wie bei Pre-Order-Konzepten im Musikbereich hat man auch hier den Vorteil, gegenüber dem späteren Ladenverkaufspreis ein paar Euro zu sparen. Sobald 1000 Vorbestellungen erreicht sind, geht das Buch in den Druck. Wie der Schmöker in Spe aussieht, kann man über das Vorschau-Widget von Book2Look sehen. Unterstützer können das Widget auch in ihren eigenen Webseiten/Blogs einbinden. Gleich mit dem ersten Projekt landete Euryclia einen echten Hit: der „Universalcode“, ein Sammelband zum Thema Journalismus im digitalen Zeitalter wurde binnen kurzem mehr als 100.000 mal aufgerufen und soll im Sommer 2011 lieferbar sein.


Claim: „Machen Sie Ihre Fans zu Investoren und Ihre Investoren zu Fans!“

Seedmatch.de (gegründet 2011) verbindet Crowdfunding mit echtem Micro-Investment. Ab 250 Euro kann man zum stillen Teilhaber eines Startups werden, mit vollem Risiko, aber auch mit einer realen Chance, vom finanziellen Erfolg einer Idee zu profitieren. Man wird an jährlichen Gewinnausschüttungen beteiligt, und erhält am Ende der Laufzeit den Gegenwert des Anteils zurück. Im Zentrum sollen bei Seedmatch die Geschäftsfelder Internet/Mobile, erneuerbare Energien/Cleantech und Social Business stehen – also Bereiche, für die man sicherlich auch viele Unterstützer begeistern kann. Der Community-Aspekt des Crowdfundings ist bei Seedmatch ohnehin wichtig. Man bekommt nicht nur normale Quartalsberichte, sondern ist über regelmäßige Status-Reports & Updates der GründerInnen sozusagen live dabei. Ein Promotion-Video zur Projektpräsentation ist bei Seedmatch Pflicht. Die Projekte haben maximal 60 Tage Zeit haben, ihr Funding-Ziel zu erreichen. Als Provision kassiert Seedmatch 5-10 Prozent der Gesamtsumme. Die ersten Projekte sollen im Sommer 2011 an den Start gehen.


Weitere Crowdfunding-Plattformen:

pling.de

respekt.net (Österreich)

c-crowd.com (Schweiz)